Um eine Verwaldung des Gebiets zu verhindern, werden die Wilden Weiden auf dem Höltigbaum durch natürliche "Rasenmäher" gepflegt - anders gesagt: die Weiden des Naturschutzgebiets dienen als Weideflächen für Robusttierrassen. Für viele Pflanzen- und Tierarten, die auf dem Höltigbaum ihre ökologische Nische gefunden haben, sind die auf diese Weise kurz gehaltenen Rasenflächen die Grundvoraussetzung, um von anderen Arten nicht verdrängt zu werden.

Die Beweidung auf dem Höltigbaum begann im April 2000 auf einer Gesamtgröße von 220 Hektar, aufgeteilt auf zwei Weideflächen von 40 und 180 Hektar. Mittlerweile hat sich die Beweidungsfläche auf 175 Hektar auf hamburgischer und 220 Hektar auf schleswig-holsteinischer Fläche vergrößert. Derzeit leben ca. 130 Rinder, 30 Schafe und 8 Ziegen auf dem Gelände. Saisonal gesellen sich noch etwa 50 weitere Ziegen dazu.

Die Weidetiere müssen einige Voraussetzungen erfüllen, damit eine ganzjährige Beweidung möglich ist und kein unrealisierbarer Pflegeaufwand entsteht: Die Tiere müssen robust sein und eine stabile Gesundheit aufweisen. Vor allem müssen sie über eine wirksame Thermoregulation verfügen, so dass sie auch unter ungünstigen Witterungsbedingungen keine bedrohlichen Gewichtsverluste erleiden. Zudem sollten sie leichtkalbig sein, damit sie ihre Geburten ohne Beihilfe allein im Gelände bewerkstelligen können.

Die Tiere leben hier auf traditionelle Art im Herdenverband. Es erfolgt keine Stallhaltung und soweit die Witterung es zulässt, keine Zufütterung. Einzig zwei Brunnen wurden angelegt, damit für die Tiere genügend Trinkwasser zur Verfügung steht.

Die Herden von Schafen und Rindern in dem Naturschutzgebiet nutzen die Flächen teilweise gemeinsam und leben in friedlicher Koexistenz. Die Tiere wurden beim Weiden in verschiedenen Situationen beobachtet. Sowohl im gemischten Verband als auch in Herden getrennt, ohne Sichtkontakt stehend, konnten keinerlei Anzeichen von Interaktion festgestellt werden, die auf eine gegenseitige Störung hindeuten würden, wie beispielsweise ein gezieltes Ausweichen.

Mit Glück können die Besucher beim Rundgang über den Höltigbaum eine Gruppe allein stehender Jungrinder sehen, liebevoll "Rinderkindergärten" genannt. Mutterkühe lassen ihre Kälber während ihrer Weidegänge regelmäßig allein. Die Kälber schließen sich in kleinen Herden von bis zu 18 Tieren zusammen. Kälberlose Kühe oder Ochsen halten sich in enger Nähe zu diesen auf, was den Eindruck erweckt, als würden sie die Kälber beaufsichtigen.